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1910er: Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten…

Es wird noch etwas dauern, bis sich der Marktplatz wieder einigermaßen ordentlich präsentiert – deshalb werfen wir heute einen Blick zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts und schauen vom alten Amtsgericht (Heute „Lebenslang“) auf das historische Rathaus. Da treffen sich gerade zwei Welten: Das Pferdefuhrwerk begegnet einem Automobil – damals noch eine Seltenheit. In der Mitte der Straße liegen die Gleise der Pferdebahn vom Bahnhof bis zum Kurpark und Zahnarzt Lehmann wirbt für sein „Zahn Atelier“. Interessant auch die Gebäude rund um das Rathaus. Rechts sehen wir noch den historischen Renaissance-Erker von 1628, dahinter das noch weitgehend unverbaute Gebäude Am Markt 15. Direkt hinter dem Rathaus steht noch ein altes Gebäude, dass in den 1930ern durch einen Neubau ersetzt werden wird und lange Jahre die Buchhandlung Schade beherbergen wird und heute noch das „Ratsstübel“. Ganz hinten an der Steege strahlt uns noch ein Fachwerkhaus an: Das erste Badehaus mit der Kurverwaltung.

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1910er: Still-Leben in der Langen Straße

Während heute jeder und überall mit Smartphone und Digitalkamera fotografiert, sorgte ein Fotograf früher noch für interessierte Blicke und freiwillige Statisten. Auf diesem Bild nach 1910 haben sich einige Salzufler – vornehmlich Kinder – extra in Positur gestellt, um gemeinsam mit den alten Fassaden der Stadt abgelichtet zu werden. Bei Betrachten stellen wir fest: Neben der Kleider-Mode hat sich vor allem die linke Seite verändert!
Wir sehen links die ersten beiden Häuser, die sogenannten Windmöllerschen Häuser, die bereits wenige Zeit später dem „Weinhaus Rheingold“ weichen sollten. Das Haus mit der hervorspringenden Veranda ist manchem noch bekannt als „Bünneman’sches Haus“. Wilhelm Bünemann war der am längsten amtierende Bürgermeister von Bad Salzuflen – von  1948 bis 1968 (bis zur Großgemeindebildung) stand er der Stadt vor. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme dürfte Bünemann gerade Anfang 20 gewesen sein und wahrscheinlich noch nichts davon geahnt haben, welche Aufgaben er in der Stadt einmal ausüben werde… Die Schienen in der Straße sind übrigens 20 Jahre nach dieser Aufnahme auch schon wieder Geschichte, nachdem die Salzufler Pferdebahn inflationsbedingt eingegangen war.

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1910: Kaiserhof und Pferdebahn

Um 1910 war an einen ZOB hier noch nicht zu denken: An der Ecke Osterstraße / Bahnhofstraße erhob sich der „Kaiserhof“ und der innerstädtische Linienverkehr wurde noch von der Pferdebahn zwischen Bahnhof und Kurpark übernommen. Übrigens hatte die Salzufler Straßenbahn nur eine kurze Lebensgeschichte: 1909 eingerichtet, wurde sie 1926 schon wieder stillgelegt. An ihre Stelle traten dann übrigens die bekannten Salzufler Busunternehmen – von denen eines hinter dem Kaiserhof seinen Betriebshof einrichten sollte…

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1920er: Das Weinhaus „Rheingold“ vor dem Umbau

Ein – für heutige Augen – ungewohntes Bild an der Ecke Lange Straße/Steege: Das Weinhaus „Rheingold“ zeigt sich hier in seinem ursprünglichen Aussehen – von der heutigen Fassade ist noch nichts zu sehen. Die Aufnahme ist vermutlich um 1920 entstanden, auf der Langen Straße liegen noch die Schienen der 1926 eingestellten Pferdebahn vom Bahnhof zum Kurpark. Das „Rheingold“ erhielt 1933/34 eine neue Fassade im Stil des „Neuen Bauens“ zu dem auch die weltbekannte „Bauhaus-Bewegung“ gehört. Nicht zuletzt deshalb wurde das stadtbildprägende Gebäude 1992 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Diese historische Aufnahme ist zusammen mit anderen übrigens derzeit im liebevoll gestalteten historischen Schaufenster von Leder Reese zu sehen, die in diesem Jahr ihr 70jähriges Bestehen feiern.
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