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1970er: Von Schötmar in die weite Welt…

Ein Blick auf den Winterfahrplan 1972/73: Die Abfahrtstafel des Bahnhofs Schötmar weist neben altbekannten Zielen wie Herford, Detmold und Altenbeken auch so illustre Orte wie Bremen, Cuxhaven und Wilhelmshaven aus. In etwas mehr als zweieinhalb Stunden reiste man damals von der Bega umsteigefrei an die Weser, über Bünde, Rahden, Sulingen, Bassum und Syke. Solche Eilzüge über Nebenstrecken wurden und werden von Eisenbahnfreunden liebevoll „Hecken-Eil-Züge“ genannt, weil sie abseits der Hauptstrecken verkehrten. In Richtung Süden war die Fahrt von Schötmar dafür nicht ganz so bequem: Spätestens in Altenbeken musste umgestiegen werden. Der durchgehende Zug nach München hielt nur in Salzuflen…WDiBSloabd_1973_02_17_Schötmar_Bahnhof_Halle_Innen_Fahrplan_1972_WEB

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1930er: Der Hermann strahlt – und leuchtet ab heute übrigens auch wieder

Wer war als Kind nicht mindestens einmal da? Beim Schulausflug oder mit den Eltern, das Hermannsdenkmal gehört zu Lippe wie Pickert und Prinz. Fertiggestellt 1875, schaut der Cheruskerfürst Arminius mit erhobenem Schwert Richtung Frankreich – dem damaligen „Erbfeind“. Ab heute gibt sich der Hermann wieder bunter und weitaus friedlicher: „Der Hermann leuchtet“ heißt die Veranstaltung, die Lippes Wahrzeichen zum Strahlen bringt. Auf der Website findet Ihr alle Infos zu der Veranstaltung, die noch bis zum 20. März läuft. Grund genug also, mal wieder alte Kindheitserinnerungen aufzufrischen und einen Ur-Lipper zu begrüßen (Jaja, die in Kalkriese sehen das anders…)…

Und hier gibt es schon mal einen kleinen Vorgeschmack:

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2010er: Prinz Armin zur Lippe – ein Nachruf

Aus dem Schloss in Detmold kam gestern eine Nachricht, die jeden Lipper irgendwie betroffen machte und jeden in Lippe in irgend einer Weise bewegt hat: „In tiefer Trauer geben wir den Tod von Dr. Armin Prinz zur Lippe bekannt, der nach kurzer, schwerer Krankheit am 20. August 2015 im Alter von 91 Jahren in Detmold im Kreise seiner Familie verstarb. Dr. Armin Prinz zur Lippe, Jahrgang 1924, war der letzte noch lebende Sohn eines deutschen regierenden Fürsten“. Jeder Lipper weiß, dass Prinz Armin für Lippe mehr war, als nur der Sohn eines ehemaligen Fürsten und der Chef über die meisten Wälder in Lippe. Und jeder Lipper hat eine Geschichte mit oder über ihn zu erzählen….

Meine Geschichte begann mit meiner Patentante, die damals in Detmold wohnte. Wenn ich als Kind bei ihr zu Besuch war, nahm sie mich oft mit ins Schloss. Ich fand die großen Säle toll, ich liebte den Thron, ich hatte Angst vor der Galerie mit den Jagdtrophäen. Und ich malte mir immer aus, wie es wohl wäre, in diesem Schloss zu wohnen und über die Dachböden zu kriechen. Prinz Armin zur Lippe ist es zu verdanken, dass ich als Kind beeindruckt sein konnte. Als Hausherr – im wahrsten Sinne des Wortes – hatte er sich für das Schloss in Detmold schon eingesetzt, als es noch keinen Denkmalschutz und keine Landesmittel gab.

Meine Tante zeigte mir auch, was jeden Tag so pünktlich geschah, dass angeblich Menschen in Detmold ihre Uhr danach stellten: Die Kirchturmuhr schlug – und auf den Schlag traten aus dem Schlossportal Prinzessin Dr. Traute und Prinz Dr. Armin zur Lippe. Mit ihrem Mops, bzw. damals noch ihren beiden. Ich war beeindruckt. Im Laufe der Jahre habe ich überhaupt erst mehr über das Haus und das Land Lippe gelernt – und erst später verstanden, was diese Lebensaufgabe bedeutet.

Mehr als 25 Jahre später hatte ich dann die Gelegenheit und das Privileg, mit Prinz Armin zur Lippe ein Interview zu führen. Ich hätte aufgeregter nicht sein können – und während ich mir noch Gedanken machte, ob man „Eure Hoheit“, „Durchlaucht“ oder „Herr Prinz“ sagt, trat mir plötzlich ein Mensch gegenüber, der zwei Drittel an Lebensjahren mehr hatte als ich, meine Hand schüttelte und verschmitzt lächelnd „Guten Tag“ sagte. Bevor ich überhaupt etwas sagen konnte. Wir führten dann ein langes und interessantes Gespräch – über Vergangenes, über Geschichte und über Dinge der Gegenwart. Prinz Armin zur Lippe war ein sehr überlegter, nachdenkender, aber auch menschlicher Geist, dem nichts weltliches fremd war, aber für den alles stets in einem größeren Zusammenhang zu sein schien. Und ein sympathischer Mensch noch dazu.

Nach Ende des Gesprächs verließ ich das Schloss dann durch dasselbe Gartentor, dass ich als Kind immer nur von der Außenseite anschauen konnte. Und irgendwie war ich danach „mehr“ Lipper als schon vorher.

Mit Prinz Armin zu Lippe ist ein Mensch von uns gegangen, der nicht nur Lipper inspiriert hat, sondern auch ein Verständnis für das Vermächtnis der Vorväter und die Weitergabe an künftige Generationen hatte. Er wird uns Lippern fehlen – nicht nur menschlich und persönlich. Aber das werden wir erst später merken…. Unsere Gedanken und Gebete sind heute bei Prinzessin Traute und der Familie.

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1970er: „Beamten-Express“ in Sylbach

Heute mal ein sonnigeres Bild: 1974 ist ein dreiteiliger Schienenbus auf dem Weg von Minden nach Detmold und durchfährt gerade den Bahnhof Sylbach. Die Verbindung Detmold – Minden und zurück diente damals vor allem Beamten, die zwischen den beiden Zentren pendelten. Mit Einstellung der Verbindung in den 1970er Jahren endete auch der Einsatz der Schienenbusse, die seit den 1950er Jahren bei der Bundesbahn im Einsatz waren. Rechts und links der Gleise sieht man schon die Oberleitungsmasten, die für die Elektrifizierung der Strecke Herford – Altenbeken errichtet wurden. Bis auf den Holz-Unterstand links hat sich die Szenerie heute weitgehend verändert…WDiBSloabd_1974_08_02_Sylbach_Bahnhof_Gleis2_dreiteiliger_Schienenbus_WEB

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1895: Der Sommerfahrplan vor 120 Jahren…

Der Sommerfahrplan des Jahres 1895 war nur von kurzer Dauer, denn im Juni des Jahres wurde die Verlängerung der Strecke von Detmold nach Himminghausen (und damit zum Knotenpunkt Altenbeken) eröffnet. Seit 1880 lagen die Gleise von Herford bis Detmold, wobei zunächst nur Salzuflen und Sylbach einen Bahnhof erhielten. In Schötmar wurde der Bahnhof erst 1892 eröffnet. Interessant bei den 7 Zügen pro Tag: Die Fahrtzeit zwischen Schötmar und Salzuflen lag damals zwischen drei und sieben Minuten – heute, 120 Jahre später, braucht die Westfalenbahn zwei Minuten für die Strecke.WDiBSloabd_1895_LAA_Sommerfahrplan_Detmold_Herford_BadSalzuflen_WEB