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1880er: Kein Kurpark, kein Kurhaus in der Parkstraße

Heute werfen wir einen seltenen und einzigartigen Blick auf die Zeit vor 1900: Wir sehen die erste Sophienquelle (erbohrt 1833 bis 1839, heute nicht mehr existierend) mit einem kleinen, hölzernen Brunnenausschank am Ende des heutigen Erlebnisgradierwerks. Rechts davon sehen wir: Nichts. Weder der Kurpark noch das Kurhaus existieren. Das erhöht stehende Gebäude mit den davor sichtbaren Baracken ist das 1876 errichtete Sophienhaus, eine Kinderheilanstalt. Durch die vorhandenen (und vor allem die nicht-vorhandenen) Bauten lässt sich dieses historische Foto aus dem Stadtarchiv auf die Zeit zwischen 1882 und ca. 1892/95 datieren. Im Grunde sehen wir hier die „Ruhe vor dem Sturm“, der mit dem rasanten weiteren Aufstieg Salzuflens zum Kurort und Heilbad und einem großen Bauboom 1890 seinen Anfang nahm…

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1896: Vom Baden in der Bega zum Bega-Bad

In der LZ von heute ist über die neue Beliebtheit der Begawiesen zu lesen. Aus Sicht des Naturschutzes geschehen ungeheuerliche Dinge: Jugendliche baden in der Bega! Was heute kaum noch einer weiß: In der Bega begann überhaupt die Geschichte der Salzufler Frei- und Hallenbäder. Am 26. Juni 1883 wurde die erste Flussbadeanstalt Salzuflens an der Begabrücke (heute Am Begakamp) eröffnet. Die Bega verlief damals noch schleifenförmig hinter der heutigen Bebauung – erst mit dem Bega-Durchstich entstand die heutige Situation.
Vor genau 120 Jahren ging das Flußbad in der Bega in städtischen Besitz über. Wie es in der Zeitung von damals hieß: „Das Flußbad in der Bega, welches in den Besitz der Stadt übergegangen ist, wird in diesem Sommer so betrieben werden wie bisher. Die Schüler der hiesigen Schulen haben die Benutzung des Bades unentgeltlich; Erwachsene habe ein angemessenes, auf der in der Bade-Anstalt aushängenden Bade-Ordnung angegebenes Badegeld zu zahlen. Als Bademeister wird wie bisher der Fabrikaufseher Müller thätig sein. Die Bade-Anstalt ist von 3 Uhr nachmittags bis 6 Uhr abends geöffnet.“ Ebenfalls 1896 wurde das Woldemarbad mit einem Hallenschwimmbad für Jugendliche eröffnet. Die Flußbadeanstalt zog später übrigens um an die Werre – an die Brücke Werler Straße. Dort befand sich, wie man im „Hauptführer durch Bad Salzuflen“ von 1912 lesen kann, auch eine Kahnstation. Heute wie damals kann man auf der Werre mit dem Kahn (bzw. Kanu) fahren, da wird es doch eigentlich Zeit, die Flußbadeanstalt mal wieder zu beleben, oder?

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Werbung vor 1900! (Nicht für Vegetarier geeignet)

Siegfried Obermeier am Salzhof hatte Gelegenheit, einen großen Posten Chicagoer Kranz-, Mittel- und Sülzedärme (trocken und gesalzen) zu kaufen und gibt solche zu billigen Preisen ab! Wer mit diesen Begriffen erst mal nichts anfangen kann: Noch heute gibt es beispielsweise Kranzdärme zu kaufen. Sie wurden bei der Hausschlachtung für die Herstellung von Würsten gebraucht. Deshalb verspricht Siegfried Obermeier Schlachtern auch Rabatt auf die Preise. 1896 war es durchaus noch üblich, dass nicht nur Bauern ein Schwein hielten und auch die Hausschlachtung war noch Gang und Gäbe. Interessant auch sein Hinweis auf das Ofenlager: „Reichskochöfen“, „Füll- und Kochöfen“, „Kesselrümpfe mit Kocheinrichtung“ und „Kochmaschinen aller Art“ sind dort zu finden.WDiBSloabd_1896_Anzeige_Obermeier_Lange_Strasse_WEB

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1895: Der Sommerfahrplan vor 120 Jahren…

Der Sommerfahrplan des Jahres 1895 war nur von kurzer Dauer, denn im Juni des Jahres wurde die Verlängerung der Strecke von Detmold nach Himminghausen (und damit zum Knotenpunkt Altenbeken) eröffnet. Seit 1880 lagen die Gleise von Herford bis Detmold, wobei zunächst nur Salzuflen und Sylbach einen Bahnhof erhielten. In Schötmar wurde der Bahnhof erst 1892 eröffnet. Interessant bei den 7 Zügen pro Tag: Die Fahrtzeit zwischen Schötmar und Salzuflen lag damals zwischen drei und sieben Minuten – heute, 120 Jahre später, braucht die Westfalenbahn zwei Minuten für die Strecke.WDiBSloabd_1895_LAA_Sommerfahrplan_Detmold_Herford_BadSalzuflen_WEB

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1815 – 2015: 200 Jahre Bismarck – und sein Turm

Heute wäre der „eiserne“ und erste deutsche Reichskanzler, Fürst Otto von Bismarck, 200 Jahre alt geworden. Nicht ganz so alt ist der Bismarckturm in Bad Salzuflen, der auf die Initiative eines Wettbewerbes der Deutschen Studentenschaft 1899 (ein Jahr nach Bismarcks Tod) zurück geht. Im Jahr 1900 erbaut, steht der Turm in einer Höhe von 255 über Normalnull (dem Meeresspiegel), seine Aussichtsplattform befindet sich auf 15,50 m Höhe vom Boden aus gemessen. Saniert im Jahre 2004, hat man von ihm an guten Tagen einen tollen Fernblick zur Porta, zum Hermann und zur Sparrenburg. Insgesamt existieren lt. Wikipedia von 240 gebauten Bismarcktürmen noch 173, davon 146 in der heutigen Bundesrepublik. WDiBSloabd_BadSalzuflen_Bismarckturm_Hollenstein_WEB

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